Unseren 1. Autismus Kongress

in Wuppertal „Auf dem Heiligen Berg“  haben wir gut überstanden.

Mit einer Teilnehmergröße von 199 Personen waren wir leider bereits im Oktober ausgebucht. Viele Interessenten, die sich später anmelden wollten, mussten wir leider vertrösten auf das kommende Jahr.
Die Teilnehmer setzten sich sehr ausgewogen zusammen. Normalerweise befinden sich auf Veranstaltungen, zum Thema Autismus immer ein paar Autisten. Sei es als Teilnehmer oder ein bis zwei autistische Referenten. Das ist recht beliebt und mittlerweile auch üblich, dass Autisten selbst zu Wort kommen, wenn es um ihre Belange geht.

Wir machen es anders

Nun, in diesem Fall  haben wir Autisten diesen Kongress geplant, organisiert und auch ausgeführt.  Denn es sollte eine Begegnung werden zwischen Autisten und Nichtautisten. Ausgewogen – gleichberechtigt.
Man sollte uns in unserer Vielschichtigkeit; in unserer Unterschiedlichkeit erleben. Es sollten lebhafte Gespräche möglich werden. Ein Ort entstehen, der nicht nur zwecks Informations- und Meinungsaustauschs besucht wird, sondern wir wollten einen Raum schaffen, der Kommunikation möglich werden lässt, das Netzwerk vergrößert und an dem Kontakte hergestellt werden können.

Das war der Plan, als wir vor einem Jahr mit dieser Idee begannen. Und ich kann sagen, wir haben ihn genau so umgesetzt und den Tag so gemeinsam auch erlebt.

Möglicherweise lag es an dieser Besonderheit, dass ein Drittel der Teilnehmer selbst betroffene waren. Machte ihnen genau das Mut, dass sie teilweise sehr weite Fahrten auf sich nahmen, um teil nehmen zu können. Ein weiteres Drittel etwa waren Angehörige. Darunter Rat suchende Eltern, Partner und Freunde. Das letzte Drittel waren dann die Personen, die man auf Autismus Kongressen meist in der Überzahl findet. Nämlich die Fachleute, die teilweise ( so war die Rückmeldung), genau das erleben wollten. Die Innenansichten von den Menschen, mit denen sie beruflich zu tun haben. Es waren Ärzte, Psychologen, Therapeuten, Pädagogen, Erzieher, etc.

Unsere Rahmenbedingungen

Wir schaffen Einiges, wenn wir die Möglichkeit haben unsere Bedingungen und unseren Rahmen selbst zu bestimmen. Eine genaue Planung, klare Absprachen, selbst die kleinsten Details, nichts war dem Zufall überlassen. Punktgenau auf die Minute lief alles nach Programm. Das gab uns die größtmögliche Sicherheit.
Zudem hatten wir einige Helfer; für die Organistation und für die Übersicht  – die Einspringen können, wenn Plan B nötig wird und die einen kühlen Kopf bewahren, wenn Unvorhersehbarkeiten eintreten.

Und diese treten ein – das sollte uns Autisten irgendwann auch nicht mehr erstaunen. Wir haben es nicht in der Hand, wenn plötzlich die gesamte Medientechnik zusammenbricht. Oder die Deutsche Bundesbahn eine unserer Referentinnen in Hannover festhält.
Dann muss Plan C greifen – und die alternative Technik installiert werden
Muss Plan D greifen und auf das Alternativprogramm zurückgegriffen werden.

Was enorm spontan aussah, war letztlich doch ebenso bedacht.
Wir hätten auch noch Plan E und F gehabt.
Aber ich verrate nicht wofür.

Doch auch das wollten wir allen als Botschaft mitgeben. Was machbar und möglich ist, wenn wir unseren Bedürfnissen nachkommen und unsere Bedingungen bestimmen. Wenn Helfer da sind, auf die Verlass ist.

Vorträge ausschließlich von autistischen Referenten

Nach dem Vortrag von Dieter Klawan, „Die Hürden, die ihr nicht seht“, gab es die erste Gesprächsrunde. Gerne kam Dieter der Bitte nach, seinen Vortrag noch einmal zum Nachlesen auf unserer Webseite zur Verfügung zu stellen.
Sie finden hier den Link zum Download.

Nach der Mittagspause folgte der Vortrag von Regine Winkelmann. „Unsere Defizite sind unsere Fähigkeiten“ Anhand von Beispielen und Bildern, die den Teilnehmern die sensorische Wahrnehmung u.a. aus der Sicht eines ihrer Söhne zeigte, wurde die große Diskrepanz deutlich, die Kluft zwischen herausragender Fähigkeiten und ebenso hindernde Einschränkungen.

Ergänzend die autobiographische Schilderung von Katrin Kornke, die mit ihrer Geschichte offen und berührend, aber ebenso schonungslos viele Teilnehmer sicher zum Nachdenken gebracht hat.

Einziger „Wermutstropfen, wie oben bereits erwähnt“: Dr. Christine Preißmann, auf die auch ich mich besonders gefreut hatte erreichte mich mit ihrer Nachricht, dass sie leider noch immer in Hannover fest saß.

Hier konnte ich nur auf unseren Kongress am 9.November 2019 vertrösten –  Dann wird sie dabei sein und um eine weitere Sicht und Erfahrung unsere 2. Veranstaltung mit ihrem Vortrag bereichern.

Gesprächsrunde

Mit soviel Information und verschiedenen Sichtweisen gefüttert, braucht man keine Sorge haben, dass eine anschließende Gesprächsrunde schleppend verläuft. Im Gegenteil. So lebhaft, respektvoll und auf Augenhöhe haben wir es selten erlebt.
Die Autistinnen Rieke Humberg und Bettina Jürgens, die während der Veranstaltung und in den Pausen dafür sorgten, dass alles nach Plan lief, ergänzten nun unsere Podiumsdiskussion, sodass möglichst keine Fragen offen blieben.
Wir hätten noch viele Themen ansprechen können. Aber wie Autisten eben sind – pünktlich, wie versprochen, haben wir uns verabschiedet und freuen uns, bereits jetzt für das kommende Jahr zahlreiche Anmeldungen bearbeiten zu dürfen.

 

Literaturangebote

Wichtige und wertvolle Fachliteratur und Autobiographien bot der umfangreiche Büchertisch von Michael Schmitz. Da er selbst die Bücher gelesen und rezensiert hat, waren die Teilnehmer auch dann gut beraten, wenn sie zielgerichtete Literatur suchten. Sein Büchertisch war während der Pausen und noch nach der Veranstaltung gut besucht.

 

Danke…

auch an alle Mutmacher, die mich das ganze Jahr über begleitet haben. Die mich angeschoben haben, beraten, mitgedacht und mitgewirkt – im Hintergrund vielleicht – doch nur für andere – nicht für mich.

 

 

 

Regine Winkelmann

Heilpraktikerin und Leiterin der Schule, Autismusberatung und Öffentlichkeitsarbeit

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