Fibromyalgie,…die verkannte Erkrankung

 

Wenn ich die Fibromyalgie (Weichteilrheumatismus) im Zusammenhang mit der Neurologie/Psychiatrie erwähne, sind die meisten zunächst irritiert.

Es wird aber vielleicht gleich deutlich, dass dieser Bezug berechtigt ist und differenzialdiagnostisch unbedingt berücksichtigt werden muss.

Ich lege diese Behauptung, dass Fibromyalgie zu den neurologischen Erkrankungen gehört nun vorerst beiseite und befasse mich mit einem scheinbar anderem Thema der Neurologie/Psychiatrie:

In verschiedenen Lebensphasen war diese Antriebsarmut die Ursache für Schulprobleme, Strafarbeiten, Chaos im Kinderzimmer und in allen Bereichen, wo Ordnung oder Struktur gefragt und auch eine Hilfe gewesen wäre. Das zieht sich mal mehr und mal weniger deutlich dann durch Ausbildung, Beruf, Beziehungen und Alltagsbewältigung und hält bis heute…

„Wenn du nur wolltest!“

Eine Person, die im Laufe ihres Lebens eine depressive Erkrankung entwickelt, vielleicht weil besondere Lebensumstände dazu führten, die eine Depression begünstigen, leiden ebenfalls unter Antriebslosigkeitssymptome.Dies ist dann ein Symptom und keinesfalls eine eigene Erkrankung oder Störung.

 

Depression versus Antriebsmangelstörung

In der Depressionslehre beherrschen zwei Kategorien das Krankheitsbild.

Zum einen die affektive Störung, die fast immer fälschlicherweise mit Traurigkeit assoziiert ist, zum anderen die massive Antriebsstörung/Energielosigkeit.

Nur sehr wenige gute Mediziner haben verstanden, dass es sich hier um zwei völlig verschiedene Kategorien handelt. Andere werfen diese beiden Störungen in einen Topf, als seien sie ein Synonym.

Natürlich gibt es Wechselwirkungen und selten zeigen depressive Patienten isoliert die Symptome der Depression. Die Antriebsarmut wird in der Anamnese also meist bestätigt.

Aber…, es ist entscheidender, in einer umfangreichen Anamnese sich den Lebenskalender der Person genauer anzusehen.

Diese Antriebsarmut führte vielleicht  sogar zu Schulabbrüchen, Ausbildungsabbrüchen, Beziehungsbrüchen… und immer dabei die Gewissheit, dass alle der Meinung sind…”Du bist faul, du bist bequem, du könntest, wenn du nur wolltest.”

Personen, die unter einer typischen Antriebsmangelkrankheit leiden ( dieser Begriff existiert nicht einmal / aber ich vermute, dass ADS/ AD(H)S hier zur selben Krankheitsfamilie zählt ), haben sehr oft bereits ein ganzes Leben dieses Problem. Sie kommen nicht in die Gänge…”das wurde mir von Kindheit an immer schon gesagt.” “Man sagte ich sei faul” ..”Ich könne doch, wenn ich nur wolle”…

Eine Depressionserkrankung zeigt innerhalb dieser depressiven Episode meist auch eine solche Antriebsarmut und Energielosigkeit.
Aber diese zieht sich eben nicht durch deren ganzes Leben.
Diese Person hat jetzt eine psychische Erkrankung, ähnlich einer Störung der “Software”.

 

Die Antriebsmangelkrankheit ist aber hingegen eine Störung der “Hardware”. Denn hier ist die Ursache nicht die Psyche, sondern das Nervensystem. Es liegt eine Stoffwechselstörung bzw eine Botenstoffverteilungsstörung, eine biochemische Transmitterstörung verschiedenster Botenstoffe (Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, Acetylcholin, Gamma-Amino-Buttersäure,…) vor.

So, das ist schon einmal der erste Schritt, den es unbedingt zu unterscheiden gilt.

Warum?

Weil die anschließende medikamentöse Therapie nur dann wirksam ist, wenn der entsprechende Wirkstoff auf eben diese zwei verschiedenen Störungsbilder abgestimmt wurde. Wirft man beides in einen Topf, was leider in der Praxis oft passiert, wählt der Arzt womöglich nur “zufällig” das richtige Mittel. Hat er nicht so viel Glück, leidet der Patient weiter.

Zitat: “ Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass diese geheimnisvolle Krankheit, von mir „Antriebsmangel-Krankheit“ oder „Energielosigkeits-Krankheit“ genannt, nur drei Arten von Menschen bekannt ist:

  1. Den Betroffenen, wenn sie sie erklärt bekommen haben (sonst leiden sie unbekannterweise; gelitten wird!)
  2. Den Angehörigen, weil sie den wellenförmigen Verlauf dieser Krankheit miterleben, das Auf und Ab, und sich sagen, dass es für die Besserungen und Verschlechterungen doch gar keinen einleuchtenden Grund gibt!
  3. Etwa 5% der Ärzte ( Anmerkung: das ist ein Zitat, was etwa 10 Jahre alt ist…es wird  heute mehr Ärzte geben, die sich hier differenziert mit diesem Thema auseinandersetzen- aber noch zu wenige

Wenn Sie also schlussfolgern, dass Ihre Chancen gering sind, eine solche Krankheit richtig diagnostiziert und richtig behandelt zu bekommen, dann haben Sie leider recht!” Zitatende

(Dr.v. Brocke -Neurologe/Psychiater)

 

Wieviel vermeidbares Leid wird da also übersehen, fehlinterpretiert und falsch behandelt?

Hier nochmal die Definition nach der ICD10 für die Depression:

„In dem unten beschriebenen typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32. 1) oder schweren (F32.2 und F32.3) der beschriebenen Episoden, leidet die betreffende Person gewöhnlich unter gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und einer Verminderung des Antriebs. Die Verminderung der Energie führt zu erhöhter Ermüdbarkeit und Aktivitätseinschränkung. Deutliche Müdigkeit tritt oft nach nur kleinen Anstrengungen auf.“

 

Sehr viele Patienten, denen eine Depression nach oben genannter ICD10 diagnostiziert wurde, haben aber diese Antriebslosigkeit bereits ein ganzes Leben. Auch ist ihr Leben nicht von Freudlosigkeit gekennzeichnet…wäre da nicht die jahrelange massive Erschöpfung, gegen die sie dauernd ankämpfen müssten. Natürlich führt auch das auf Dauer zu gedrückter Stimmung, denn durch das Grundleiden, was das Umfeld lediglich als Faulheit definiert, hat es viele Situationen, wo die Stimmung berechtigt gedrückt ist.
Die lediglich stimmungsaufhellenden Antidepressiva, die sehr schnell gegeben werden, würden hier wenig ausrichten. Das wiederum führt zu Enttäuschung und vermindert die Compliance des Patienten erheblich.

Folge ist: Der Patient setzt die Medikamente ab…und ist vielleicht der Überzeugung, dass es für ihn keine Hilfe gibt.

Die verzweifelten Versuche der Selbsttherapie enden häufig dann zusätzlich in eine Suchterkrankung.

“Jetzt trinkt der faule Hund noch!”

Hat der Patient aber Glück und gerät an einen der selteneren Exemplare, die es in der Medizin / Psychiatrie gibt, dann wird dieser als eine Person gesehen, die aufgrund seiner (meist genetisch bedingten) Botenstoffverteilungsstörung nie anders konnte, sich diese Antreibsarmut nicht ausgesucht hat.. Einer der gerne so vieles wollen würde, wenn er wollen könnte.

Hier wären also Wirkstoffgruppen verschiedener Wiederaufnahmehemmer, antriebssteigernde Mittel also, die bessere Wahl. (Serotoninwiederaufnahmehemmer, Noradrenalinwiederaufnahmehemmer, Dopaminwiederaufnahmehemmer in verschiedener Kombination als Präparate verschiedener Hersteller.

So, was hat die Fibromyalgie damit zu tun?

Die international meist gebräuchliche Hamilton-Depressions-Skala kennt 21 verschiedene Symptome, die für diese Krankheit typisch sind. Davon sind depressive Verstimmung, Schuldgefühle und Selbstmordgedanken nur drei von den 21 Symptomen. Die anderen 18 betreffen andere seelische und körperliche Störungen!

Diese körperlichen /somatoformen Störungen sind Schmerzen aller Art, die keine andere organische Ursache erkennen lassen.

Die Fibromyalgie, als eine Erkrankung des rheumatischen Formenkreises, ist nach Auffassung einiger Mediziner nur eine Verlegenheitsdiagnose. Weil die meisten das eigentliche neurologische Leiden dahinter nicht kennen oder verstanden haben.

Für viele Hausärzte oder auch Rheumatologen, Orthopäden ist der Fibromyalgie-Patient aber sicherlich eine beachtliche und vor allem sichere Einnahmequelle. Für die Pharmazie und ihre Haupteinnahmequelle der zahlreichen Schmerzmittel, ebenso.

Bei der Fibromyalgie gibt es seltenst bildgebende Hinweise oder Laborparameter, die diese dauerhaften und lebensqualitätmindernden Schmerzen begründen.

Es gibt nämlich statt dessen häufig organisch – nichts.

Die palpierten Triggerpoints, die oft quälenden Schmerzen, ähnlich einer schweren Grippe, die Erschöpfung in Folge…alles hat keine nennenswerten organischen Ursachen oder Befunde.

Das, was man feststellt sind natürlich nach jahrelanger Schmerzsymptomatik, die durch reflektorische Schonhaltung entstehenden Muskelverspannungen (Myogelosen ) Verhärtungen und Verkürzungen der Sehnen. Auch auf Dauer eine Fehlhaltung mit Fehlstellung der Wirbelsäule,…halte ich für eine logische Folge, dieses oft jahrelangen Leidens.

In letzter Zeit häufen sich aber die Erfahrungsberichte seitens der Patienten und auch der Mediziner, die bereit sind, einmal ihre alten Lehrmeinungen zu überdenken. Sodass auch nach jahrelangen Diagnosen ein Fibromyalgiepatient, der dauerhaft unter Schmerzmittel stand, durch entsprechende neurologische Behandlung und passender Medikation, endlich beschwerdefrei  wurde und nicht selten…wen würde das jetzt noch wundern …? zu mehr Antrieb, Energie und Lebensqualität gefunden hat.

 

Und wunderts, wenn diese Patienten überzufälligerweise auch die Diagnosekriterien erfüllen, die ADS-ler erfüllen?

 

ich freue mich über Erfahrungsberichte, die selbstverständlich vertraulich behandelt und falls erlaubt, anonym veröffentlicht werden.

vielen Dank

Regine Winkelmann

winkelmannregine@gmail.com

 

“in unserer Familie haben viele entweder chronische Depression oder ADHS. Ohne Hyperaktivität. Meine Mutter und ich leiden unter Fibromyalgie. Antriebsarmut kann ich bestätigen. Schmerzen wie bei einer Grippe begleiten mich auch dauernd”

 

“ist so wahr, nur wusste ich die zusammenhänge nicht. jahrelang Schmerzen. Ich bekomme seit ein paar Monaten Fluvoxamin und bin endlich beschwerdefrei. Auch insgesamt gehts  mir viel besser.”

 

Liebe Regine! Dein Bericht ist fantastisch und macht mir Mut – und bestätigt letzlich das, was ich schon lange vermute. Mein Sohn kennt

– und das schon sehr lange – diese Symptome und leidet darunter. Von Kindes- bis Jugendalter – er ist jetzt 22 Jahre – geht es immer wieder wellenförmig auf und ab. Wir sind von Frühförderung im Kindergarten über Ergotherapien und Phsychiatern bis Uniklinik HH gegangen – nichts hat geholfen…Er hat keine Ausbildung (abgebrochen), kommt scheinbar nicht in die Füße, hat, obwohl er sehr intelligent ist, nur einen mäßigen Schulabschluss und hat arge Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden geschweige denn, sein Leben zu organisieren. Jetzt hat er einen Psychiater gefunden, der ihn zumindest auf ADHS prüft. Und gerade lese ich deinen Bericht! Sag, liebe Regine, kennst du jemanden hier bei mir in Oldenburg/ Niedersachsen oder Umgebung (Bremen, Hannover), den du empfehlen kannst für eine Diagnose und Behandlung? Herzliche Grüße,

 

“Danke für diese Hilfe. Ich habe lange gebraucht um den Mut zu haben disen Text einfach einem Neurologen vorzulegen. Ich hätte es so nie in Worte fassen können. Ich bin seit drei Monaten medikamentös eingestellt. Bekomme Venlafaxin und es geht mir sehr gut. Meine crohnischen Schmerzen, (Fibro) sind nach Jahren verschwunden. Keine Schmerzmittel mehr nötig. “Iris

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