„Was passiert mit dem Egel, nach der Behandlung?“

Das interessiert die meisten Patienten nicht vor der Behandlung. Denn da sind sie gedanklich ganz bei sich selbst. „Wird das weh tun?“ oder „Sind die glitschig?“, fragen Sie und vielleicht noch, ob ich die Egel aus unserem Gartenteich gefischt habe.

Natürlich nicht. Und dort landen sie auch anschließend nicht.

Sobald die Patienten während einer Therapie sehen, dass die kleinen Sauger fleißig, ruhig und friedlich ihre Arbeit machen, entwickelt sich bei einigen Patienten fast so etwas wie Sympathie. Selbst die, die zuvor sagten: „Ich gucke gar nicht hin, das ist bestimmt eklig“, schauen manchmal dann still und staunend dem rhythmischen Saugen der Egel zu.

„Und was passiert gleich mit dem Tier?“

Seit ich das ein paarmal so in der Praxis erlebt habe, gehört auch die sachgemäße Entsorgung dieser medizinischen Blutegel zu der Einführungsaufklärung dazu. Ich möchte mir Diskussionen, wie: „Ich nehme ihn mit und setze ihn dann in meinem Gartenteich aus“, ersparen.

Nach dem Arzneimittelgesetz ein Medizinprodukt

Nach dem Arzneimittelgesetz, zählen die Egel zu den Medizinprodukten. Und damit wird auch durch dieses Gesetz die Einfuhr, die Qualität, die Haltung, die Anwendung und die Entsorgung geregelt und gesetzlich gesichert. Das geschieht vor allem zu Ihrer Sicherheit und zur Verhütung von Infektionskrankheiten, die durch eine Wiederverwendung, also Zweitanwendung eines Egels verursacht werden könnte.

Patientenblut ist ein Infektionsrisiko für durch Blut übertragbare Krankheiten. Ein Egel darf also niemals, auch nicht bei dem selben Patienten, ein zweites Mal angesetzt werden. Die Gefahr der Verwechslung ist zu groß und damit das Risiko gegeben. Es mag gering erscheinen – zugegeben – aber nicht auszuschließen.

Und so gibt es auch keine sogn. Rentnerbecken für Egel. Denn nicht nur diese Haltung wäre problematisch. Tatsächlich gehört streng genommen der Transport der möglicherweise infektiösen Egel in den Bereich des Gefahrguttransportes. Sie mögen das für übertrieben halten. Aber so sind unsere Gesetze und entsprechend die Vorgaben an uns Anwender.

Blutegeltherapie nichts für Veganer?

Da also die „sachgemäße Entsorgung“ des Egels durch den Behandler übernommen werden muss, ist das jedem Patienten bereits vor einer Behandlung mit zu teilen. Am Ende trifft er die Entscheidung, ob er den Einsatz dieser Medizinprodukte mit seinem Gewissen vereinbaren kann.

Bei uns gehen die Egel nach dem Ansetzten an einem Patienten in den Winterschlaf. Das heißt, sie werden runtergekühlt, wie sie das in der Natur auch kennen. Allerdings bei einer Lagerung von -18 Grad werden sie das nach ein paar Tagen nicht überleben und dann fest verschlossen, nach dem Abfallentsorgungsgesetz von uns entsorgt.

Wir beziehen unsere Egel aus der Biebertaler Blutegelzucht und fordern immer nur die Menge an, die wir aktuell für einen Einsatz benötigen. Mit dem Wissen, um den hohen therapeutischen Wert, dem wir den Egel zu verdanken haben, verwenden wir ausschließlich Tiere, die unter hoher Qualitätssicherung nur für diese Zwecke gezüchtet wurden. Mit dem Wissen, hier Lebewesen vor uns zu haben, gehen wir während der gesamten Zeit achtsam, wertschätzend und sorgsam bei unserer Arbeit mit ihnen um.

Die Blutegeltherapie ist eine sehr wirksame und von vielen Patienten geschätzte Möglichkeit eine Vielzahl von Beschwerden zu lindern und erträglicher zu machen. Sie anzuwenden benötigt Fachkenntnis im medizinischen Bereich, Kenntnisse über Indikationen und Kontraindikationen. Kenntnisse der Hygiene und Wundversorgung, ebenso wie Sachkenntnis über das „Produkt“ an sich. Und nicht zuletzt, ist es eine Entscheidung. Eine Entscheidung, die Behandler bewusst treffen sollten.
Halbherzigkeit und das heimliche Aussetzen der Egel anschließend an den Ruhr-Auen, halte ich für ein Zeichen, dass jemand sich nicht in aller Vollständigkeit mit dieser Behandlungsmethode auseinander gesetzt hat.

Für Therapeuten, die sich für diese Therapie interessieren,
bieten wir Weiterbildungskurse an.
Bei Interesse, melden Sie sich bei uns.

Regine Winkelmann

Heilpraktikerin und Leiterin der Schule, Autismusberatung und Öffentlichkeitsarbeit

2018 © Heilpraktikerschule-Sprockhövel | Impressum | Datenschutzerklärung

or

Log in with your credentials

Forgot your details?